Montag, 27. Februar 2012

Über dem Gipfel des Stromboli, Äolische Inseln | Vango - Zwischen Himmel und Erde


"Sie werden es mögen", sagte Eckener, als er an Max Gründ vorbeiging, der seinen schwarzen Ledermantel seit Beginn der Fahrt nicht abgelegt hatte.

Gründ antwortete nicht. Er war schlechter Laune. In dem Gestank seines Zimmer hatter er sehr wenig geschlafen.

Kapitän Lehmann seinerseits war ein wenig beruhigt. Letzten Endes hatte Eckener das Lufschiff in einer vernünftigen Entfernung zum Vulkan angehalten. Es bestand keine unmittelbare Gefahr.

Jetzt, mit ausgeschalteten Motoren und Lichtern, herrschte im Zeppelin absolute Stille. Man wartete auf das Ereignis. Einige Minuten vergingen im Dunkel, nur unwesentlich gestört durch die launigen Bemerkungen des dicken Sängers.





Als der Vulkan schließlich Flammen spuckte und ein großes "Ooooh" im ganzen Schiff erklang, hätte man oben, aufrecht auf dem Rücken des Zeppelins, unter dem Sternenhimmel Vangos rot angestrahlte Gestalt sehen können.





Graf Zeppelin, originally uploaded by Roger Smith.


Timothée de Fombelle: Vango - Zwischen Himmel und Erde. Bd. 1. Hildesheim: Gerstenberg 2011, S. 144

Freitag, 23. Juli 2010

México, D. F. | 2666

El Cerdo was with the German until five in the morning. After they ate (the old man was hungry and ordered more tacos and more tequila, while El Cerdo buried his head like an ostrich in reflections on melancholy and power), they went for a walk, around the Zocalo, visiting the plaza ...



Zocalo00, originally uploaded by Felixe.


... and the Aztec ruins springing like lilacs from wasteland, as El Cerdo put it, stone flowers among other stone flowers, a chaos that would surely lead nowhere, only to further chaos, said El Cerdo, ...




Templo Mayor 00179, originally uploaded by Omar Omar.


... as he and the German walked the streets around the Zocalo, toward the Plaza Santo Domingo, where, during the day, under the arches, scribes with their typewriters set up shop to type letters or legal claims.




Plaza Santo Domingo, originally uploaded by rbrands.


Then they went to see the Angel on Reforma, but that night the Angel was dark and as they drove around the traffic circle, El Cerdo could only describe it to the German, who looked up from his open window.



paseo de la reforma, originally uploaded by b3co.


Roberto Bolaño: 2666. Basingstoke: Picador 2009, p. 103 (translated from the Spanish by Natasha Wimmer)

Donnerstag, 13. August 2009

Pergamonmuseum, Berlin | Die Ästhetik des Widerstands

Heilmanns helles Gesicht, mit den regelmäßigen Zügen, den dichten Augenbrauen, der hohen Stirn, hatte sich der Dämonin der Erde zugewandt. Sie hatte Uranos, den Himmel, Pontos, das Meer, und alle Gebirge hervorgebracht. Sie hatte die Giganten, Titanen, Kyklopen und Erinnyen geboren. Dies war unser Geschlecht. Wir begutachteten die Geschichte der Irdischen. Wieder blickten wir hinauf zu ihr, die sich aus dem Boden streckte.




Altar de Pérgamo. Detalle I, originally uploaded by fah-lo-sue.
http://www.flickr.com/photos/fah-lo-sue/ / CC BY-NC-ND 2.0

Die Wellen des aufgelösten Haars umflossen sie. Auf der Schulter trug sei eine Schale voll Granatäpfeln. Blattwerk, Weintrauben rankten an ihrem Nacken. In der seitwärts nach oben gewandten rohen Fläche des Gesichts war der Ansatz des um Gnade flehenden Munds zu erkennen. Eine Wunde klaffte vom Kinn bis zum Kehlkopf.



http://www.flickr.com/photos/youngrobv/ / CC BY-NC-ND 2.0

Alkyoneus, ihr Lieblingssohn, drehte sich, ins Knie sinkend, schräg von ihr weg. Der Stumpf seiner linken Hand tastete nach ihr. Sein linker Fuß, am gedehnten zersplitterten Bein hängend, rührte sie noch an.



http://www.flickr.com/photos/25831000@N08/ / CC BY-NC-ND 2.0

Schenkel, Unterleib, Bauch und Brust spannten sich in Konvulsionen. Von der kleinen Wunde, die ihm das giftige Reptil zwischen die Rippen geschlagen hatte, strahlte der Todesschmerz aus. Die weit ausgebreiteten Schwingen des Eisvogels, die ihm aus der Schulter wuchsen, verlangsamten seinen Sturz. [...]




pergamon altar, originally uploaded by dithie.
http://www.flickr.com/photos/dithie/ / CC BY-NC 2.0


Herakles aber vermißten wir, den einzigen Sterblichen, der sich der Sage nach mit den Göttern im Kampf gegen die Giganten verbündet hatte, und wir suchten zwischen den eingemauerten Körpern, den Resten der Glieder, nach dem Sohn des Zeus und der Alkmene, dem irdischen Helfer, der durch Tapferkeit und ausdauernde Arbeit die Zeit der Bedrohungen beenden würde. Nur auf ein Namenszeichen von ihm stießen wir, und auf die Tatze eines Löwenfells, das er als Umhang getragen hatte, sonst zeugte nichts mehr von seinem Standort zwischen dem vierpferdigen Gespann der Hera und dem athletischen Leib des Zeus, und Coppi nannte es ein Omen, daß grade er, der unsresgleichen war, fehlte, und daß wir uns nun selbst ein Bild dieses Fürsprechers des Handelns zu machen hatten.


Peter Weiß: Die Ästhetik des Widerstands. FfM: Suhrkamp 1983, S. 10, 11

Montag, 5. November 2007

Bethesda Fountain, NY | Specimen Days


The Fountain at Bethesda Terrace, originally uploaded by th.omas.

Presently he arrived at a stone balustrade, with a broad, curving staircase descending on either end. He went down the stairs. And there, in the middle of a dark plaza, stood an enormous figure. It spread its wings, touched faintly by moonglow. Its face was canted down, toward Lucas. It seemed for a moment that he had found the park's avenging mother, the entity that waited, watching and listening, that had dreamed the park into being and did not like to have its sleep interrupted. Lucas trembled. He made as if to turn and run, though he thought that if he did, the figure would stir its wing, take flight, and snatch him up as easily as a terrier takes a rat.




Some Crap About The Future, originally uploaded by justingaynor.


In another moment, he understood that it was a statue, only a statue. He drew nearer. It was a stone angel, standing on a pedestal above an immense stone bowl of water. He saw that the angel was severe and contemplative, that she had blank and sorrowful eyes, that she had turned from heaven and looked down at the earth.

Michael Cunningham: Specimen Days. London: Harper Perennial 2005, p. 71f



Bethesda Fountain in Autumn, originally uploaded by brothergrimm.

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Szczyrk, Polen | Das Leben. Gebrauchsanweisung



Beskidy, originally uploaded by pawelbak.

Worauf sich eine Delegation bildete, die dem Hauptbetroffenen diese Frage vorlegte, der zur Antwort gab, daß er selber nicht wisse, welches die korrekteste Aussprache seine Namens sei.

Der ursprüngliche Nachname seiner Familie, der, den sein Urgroßvater, ein Sattler aus Szczyrk offiziell auf dem Standesamt der Bezirkshauptmannschaft Krakau gekauft hatte, war Kleinhof; aber von Generation zu Generation, von Paßverlängerung zu Paßverlängerung hatte der Name, sei es, weil man die deutschen oder österreichischen Bürovorsteher nicht genug schmierte, sei es, weil man sich an ungarische, poldewische , mährische oder polnische Beamte wendete, die "v" lasen oder "ff" hinschrieben oder die als "c" eintrugen, was sie als "tz" hörten, sei es, weil man es mit Leuten zu tun hatte, die sich nie sonderlich hatten anstrengen müssen, um wieder etwas ungebildet und einigermaßen schwerhörig zu werden, wenn es darum ging, einem Juden Ausweispapier auszustellen, nichts von seiner ursprünglichen Aussprache und nichts von seiner ursprünglichen Orthographie behalten und Cinoc erinnerte sich, daß sein Vater ihm erzählte, daß sein Vater wiederum von Vettern sprach, die er hatte und die Klajnhoff, Keinhof, Klinov, Szinowcz, Linhaus usw. hießen.

Wie war aus Kleinhof Cinoc geworden? Cinoc wußte es nicht genau [...]. Auf jeden Fall war es wirklich zweitrangig, ob man es so oder so aussprach.


Georges Perec: Das Leben. Gebrauchsanweisung. Reinbek: Rowohlt 1991, S. 453f

Smokey Mountains, TN | Verlorene (Suttree)


The Smokey Mountains, originally uploaded by basheertome.

Ende Oktober holte er seine Leinen ein. Laub fiel in den Fluß, und die Tage mit den Regenstürmen und qualmenden Holzfeuern versetzten ihn mehr, als ihm lieb war, in andere Zeiten zurück. Er richtet sich einen Rucksack aus altem Sackleinen her, rollte seine Decke zusammen und fuhr, etwas Reis, Dörrobst und eine Angelschnur im Gepäck, mit dem Bus nach Gatlinburg.
Er wanderte in die Berge .

Cormac McCarthy: Verlorene. Reinbek: Rowohlt 1992, S. 396

In late October he pulled his lines. Leaves were falling in the river and the days of windy rain and woodsmoke took him back to other times more than he would have liked. He made himself up a pack from old sacking and rolled his blanket and with some rice and dried fruit and a fishline he took a bus to Gatlinburg.
He hiked up into the mountains.

Cormac McCarthy: Suttree. London: Picador 1979 (?), p. 283




Escape to Winterland, originally uploaded by James Donavon.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Queen's Hotel, Ennis Co. Clare | Ulysses


2004_0531_131024AA, ursprünglich hochgeladen von fluter1uk

- I was in moral agony with you talking of suicide before Bloom.
- What? Mr Power whispered. How so?
- His father poisoned himself, Martin Cunningham whispered. Had the Queen's hotel in Ennis. You heard him say he was going to Clare. Anniversary.
- O God! Mr Power whispered. First I heard of it. Poisoned himself!


James Joyce: Ulysses. London: Penguin 2000, p. 127

Gay Street, Knoxville TN | Suttree

As he was goin up Gay Street J-Bone stepped from a door and took his arm. Hey Bud, he said.
How you doin?
I was just started to see you. Come in and have a cup of coffee.
They sat at the counter at Helm's. J-Bone kept tapping his spoon. When the coffee was set before them he turned to Suttree. Your old man called me, he said. He wanted you to call home.
People in hell want ice water.
Hell Bud, it might be something important.
Suttree tested the cup rim against his lower lip and blew. Like what? he said.
Well. Something in the family. You know. I think you ought to call.
He put the cup down. All right, he said. What was it?
Why dont you call him.
Why dont you tell me.
Will you not call?
No.
J-Bone was looking at the spoon in his hand. He blew on it and shook his head, the distort image of him upside down in the spoon's bowl misting away and returning. Well, he said.
Who's dead, Jim?
He didnt look up. Your little boy, he said.
Suttree set his cup down and looked out the window. There was a small pool of spilled cream on the marble countertop at his elbow and flies were crouched about it lapping like cats. He got up and went out.

Cormac McCarthy: Suttree. London: Picador 1979 (?), p. 148

Gipfel des Grammont, Schweiz | Die Ausgewanderten

Aber statt in Montreux herumzulaufen oder nach Lausanne zu fahren, machte ich mich ohngeachtet meines inzwischen recht angegriffenen Zustands auf, ein zweites Mal den Grammont zu besteigen.

Es war ein ähnlich ungetrübter Tag wie seinerzeit, und als ich, nahezu restlos erschöpft, den Gipfel erreicht hatte, da sah ich von dort droben von neuem die Genfer Seelandschaft vor mir, vollkommen unverändert, wie es den Anschein hatte, und reglos bis auf die wenigen auf dem tiefblauen Wasser drunten mit der unglaublichsten Langsamkeit ihre weiße Spur ziehenden winzigen Schiffchen und bis auf die am jenseitigen Ufer in gewissen Abständen hin- und herfahrenden Eisenbahnzüge.

Diese ebenso nahe wie unerreichbar in die Ferne gerückte Welt, sagte Aurach, habe mit solcher Macht ihn angezogen, daß er befürchtete, sich in sie hineinstürzen zu müssen, und dies vielleicht tatsächlich getan hätte, wäre nicht auf einmal - like someone who's popped out of the bloody ground - ein um die sechzig Jahre alter Mensch mit einem großen Schmetterlingsnetz aus weißer Gaze vor ihm gestanden und hätte in einem geradeso vornehmen wie letztlich unidentifizierbaren Englisch gesagt, es sei jetzt an der Zeit, an den Abstieg zu denken, wenn man in Montreux noch zum Nachtmahl zurechtkommen wolle.


W. G. Sebald: Die Ausgewanderten. Frankfurt a.M.: Fischer 1994, S. 258f

Stamper House, Wakonda Auga OR | Sometimes a Great Notion

Siletz River and Stamper House
Siletz River and Stamper House, photo of skeeeterbug

Along the whole twenty miles, from Breakback Gully, where the river crashes out of the flowering dogwood, all the way to the eel-grassed shores at Wakonda Bay, where it fans into the sea, no houses at all stand on the bank. Or no houses at all on the bank if one excludes that blasted home, if one excludes this single house that acknowledged no zone of respect for nobody and surrenderd seldom a scant inch, let alone a hundred or so yards.

This house stands where it stood; it has not been jacked up and dragged back, nor has it been abandoned to become a sunken hotel for muskrats and otters. It is known through most of the western part of the state as the Old Stamper Place ...

Ken Kesey: Sometimes a Great Notion. New York: Penguin 1977, p. 4

Sometimes A Great Notion And The Summer My Dad Was A Movie Star by Denise Bernard
Sometimes, a Great Notion (Notary Rotary Forum) by Susan Fischer
Lage der Überreste des Hauses von Edwin E. Benedict , Vorbild für das Stamper Haus
A great notion by Mark Baker

Landhaus in der Calle Gaona, Ramos Mejía, Argentinien | Tlön, Uqbar, Orbis Tertius


, ursprünglich hochgeladen von drear2ta

Ich verdanke der Konjunktion eines Spiegels und einer Enzyklopädie die Entdeckung Uqbars. Der Spiegel beunruhigte das Ende eines Ganges in einem Landhaus der Calle Gaona in Ramos Mejía; die Enzyklopädie nennt sich fälschlich The Anglo-American Cyclopaedia (New York, 1917) und ist ein wortgetreuer, wenn auch saumseliger Nachdruck der Encyclopaedia Britannica von 1902. Der Vorfall ereignete sich vor fünf Jahren. Bioy Casares hatte an diesem Abend mit mir zusammen gespeist ...


Jorge Luis Borges: Tlön, Uqbar, Orbis Tertius, in: Die Bibliothek von Babel. Stuttgart: Reclam 1975, S. 21

Sonntag, 7. Oktober 2007

Köhlbrandbrücke, Hamburg | Morbus fonticuli


Bridge Trip, ursprünglich hochgeladen von HH!Crash

"Nu maaach!", schrie Bärbel, bizarr grinsend vor Hysterie, zwängte sich zwischen zwei Barrieren hindurch und schwang ihre Beine über die parallel zur Fahrbahn verlaufende hüfthohe Reling, einzementiert in einen niedrigen Wall, der einen engen Notpfad entlang dem äußeren Brückengeländer nach innen begrenzte; sie stützte sich an der Außenbrüstung ab, da unten summte der Abgrund, und hakte die Absätze auf dem schmalen Betongrat hinter sich ein ...

Frank Schulz: Morbus fonticuli oder die Sehnsucht des Laien. Zürich: Haffmans 2001, S. 334



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Samstag, 6. Oktober 2007

Blauwbrug, Amsterdam | Die Schlacht um die Blaubrücke


Blauwbrug, ursprünglich hochgeladen von deuxiemepeau

Nun, da die Blauwbrug verlassen dalag und es draußen nichts Aufregendes mehr zu sehen gab ...


A.F.Th. van der Heijden: Die Schlacht um die Blaubrücke. Frankfurt: Suhrkamp 2001, S. 153

Hotel unterhalb des Ortlers, Italien | Der Stimmenimitator


Hotel Paradiso di Cevedale, ursprünglich hochgeladen von hmboo

Wir waren auf unserer Wanderung auf das Ortlermassiv, von Gomagoi aus plötzlich auf das Hotel gestoßen, das zu diesem Zeitpunkt, drei Jahre nach seiner Vollendung, schon einen entsetzlichen Eindruck gemacht hatte. Die jahrelangen Unwetter hatten längst die Fenster zerstört und große Teile der Dächer abgetragen gehabt ...


Thomas Bernhard: Entdeckung, in: Der Stimmenimitator. Frankfurt: Suhrkamp 1987, S. 73



Hotel Paradiso - Westfassade Detail von Martin Ruepp
Hotel Paradiso - Martelltall - Val Martello von Alessandro Mongiu
Der Traum vom Paradies von Gabriele Reiterer
Bergtouren 2006: Martellerhütte von Christian Engel

Sutpen's Hundred, Jefferson MS | Absalom, Absalom!


Plantation House, Charleston, SC, ursprünglich hochgeladen von EugeneDebs

... and a house the size of a court-house where he lived for three years without a window or door or bedstead in it and still called it Sutpen's Hundred

William Faulkner: Absalom, Absalom!. New York: Vintage 1990, p. 10

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